Wie Dein Siegel entsteht
Die Siegel in den alten Zauberbüchern sehen aus wie wilde Zeichnungen. Viele von ihnen sind aber nach einer genauen Regel gebaut: Ein Name wird zu Zahlen, die Zahlen werden zu Feldern in einem magischen Quadrat, und die Linie durch diese Felder ist das Siegel. Genau so entsteht im Geisterarchiv Dein eigenes.
Die Methode des Agrippa
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, ein Gelehrter aus Köln, veröffentlichte 1533 sein großes Werk über die „verborgene Philosophie“, De occulta philosophia. Im zweiten Buch ordnet er jedem der sieben alten Planeten ein magisches Zahlenquadrat zu: ein Gitter, in dem die Zahlen so stehen, dass jede Zeile, jede Spalte und beide Diagonalen dieselbe Summe ergeben. Das kleinste gehört Saturn (3 × 3, die Zahlen 1 bis 9), das größte dem Mond (9 × 9, die Zahlen 1 bis 81).
Mit diesen Quadraten zeichnete man die Siegel der Planetengeister: Jeder Buchstabe ihres Namens hatte einen Zahlenwert, und man verband die Felder dieser Zahlen mit einer Linie. Am Anfang steht ein kleiner Kreis, am Ende ein kurzer Querstrich, damit man weiß, wo die Linie beginnt und wo sie endet.
Schritt für Schritt
1. Name und Wunsch werden zu Buchstaben. Aus „Anna“ und „Liebe“ wird ANNALIEBE. Umlaute werden ausgeschrieben (Ä wird AE, ß wird SS), alles andere fällt weg.
2. Jeder Buchstabe bekommt eine Zahl. A ist 1, B ist 2 und so weiter bis Z = 26. Ist eine Zahl größer als das Quadrat des Planeten, wird ihre Quersumme genommen. Beim Jupiter (16 Felder) wird aus dem S (19) also eine 10.
| Buchstabe | A | N | N | A | L | I | E | B | E |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Zahl | 1 | 14 | 14 | 1 | 12 | 9 | 5 | 2 | 5 |
3. Die Zahlen werden zu Feldern. Im Zahlenquadrat der Venus (7 × 7) sucht man die 1, dann die 14, dann wieder die 1, die 12 und so weiter.
4. Die Linie verbindet die Felder. Sie beginnt mit einem kleinen Kreis im Feld der 1 und endet mit einem Querstrich im letzten Feld. Steht derselbe Buchstabe zweimal hintereinander (wie das N in Anna), macht die Linie dort eine kleine Schlinge. Führt sie auf demselben Weg zurück, schwingt sie als Bogen, damit Hin- und Rückweg sichtbar bleiben.
5. Ring und Zeichen. Außen trägt das Siegel einen doppelten Ring mit dem lateinischen Namen des Planeten, Deinem Namen und Deinem Wunsch, wie die Siegel aus dem 6. und 7. Buch Mosis. In der Mitte steht blass das Zeichen des Planeten.
Die sieben Planeten
| Planet | Quadrat | passt zu |
|---|---|---|
| Saturn | 3 × 3 | Schutz, Ruhe, Grenzen |
| Jupiter | 4 × 4 | Glück, Wachstum, Segen |
| Mars | 5 × 5 | Mut und Kraft |
| Sonne | 6 × 6 | Lebensfreude, Gelingen |
| Venus | 7 × 7 | Liebe und Freundschaft |
| Merkur | 8 × 8 | Reise, Lernen, gute Worte |
| Mond | 9 × 9 | Träume, Gefühl, Heimkehr |
Derselbe Name ergibt unter jedem Planeten ein anderes Siegel, weil die Zahlen in jedem Quadrat an anderen Stellen stehen.
Das Wirken
Im Wirkraum entzündest Du die Kerzen, legst Räucherwerk auf und wählst, für wen Du wirkst. Dann gibst Du den Namen und Deinen Wunsch ein und wählst den Planeten. Auf dem Pergament erscheinen Name und Wunsch als Zahlen, danach brennt sich das Siegel langsam ein: Eine Glut wandert die Linie entlang, bis es fertig ist. Zum Schluss sprichst Du dreimal die Formel „Sub signo Veneris, fiat“, „Unter dem Zeichen der Venus: Es werde“, mit dem Namen Deines Planeten.
Danach kannst Du Dein Siegel als Karte teilen, als Hintergrund für den Sperrbildschirm speichern oder ausdrucken und bei Dir tragen.
Dein Name, Dein Wunsch, ein Planet:
daraus wird ein Zeichen, das es nur einmal gibt.
Was wir angepasst haben
Agrippa rechnete mit den Zahlwerten der hebräischen Buchstaben. Wir verwenden das lateinische Alphabet von A = 1 bis Z = 26, damit jeder Name und jeder Wunsch auf Deutsch funktioniert. Die Quersumme für zu große Zahlen kennt auch die alte Überlieferung. Die geschwungenen Bögen und die Schlinge für doppelte Buchstaben sind unsere Gestaltung, damit auch kurze Namen ein lebendiges Siegel ergeben. Die sieben Zahlenquadrate stehen genau so in Agrippas Buch. Die Formel hat das Geisterarchiv nach alter Art gebildet; sie steht so nicht bei Agrippa.
Im Geisterarchiv wird nur gesegnet. Wörter, die jemandem schaden sollen, nimmt der Wirkraum nicht an.
Ein ehrliches Wort
Ein Siegel ist ein Zeichen, kein Zauberapparat. Seine Kraft liegt in dem, was Du hineinlegst: Aufmerksamkeit, einen klaren Wunsch, einen Menschen, an den Du denkst. Das eigene Siegel ist Kulturgeschichte zum Mitmachen und eine Einladung zur Sammlung. Es verspricht keine Heilung und ersetzt keinen fachlichen Rat. Mehr dazu unter Wie Wirken funktioniert.
Quellen
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim: De occulta philosophia libri tres, Köln 1533, Buch II, Kapitel 22 (Tabulae planetarum), Digitalisat: Internet Archive. Zeichnung, Formel und Übertragung: Geisterarchiv.
